Berglauf im Karwendelgebirge 31.7 km 2850 hm

Der Sommer endet. Zeit für ein nettes Läufchen in den Bergen. Geplant war das Geburtstagsläufchen schon für den Mai, aber dort fanden sich sogut wie keine willigen Gäste und die Witterung und einsetzender Schneefall oberhalb der 1500m Grenze ließ meine Planung nicht mehr als das verbrauchte Datenvolumen werden. Jetzt, im Spätsommer, finde ich nur einen Mitläufer, Beppo den Verrückten aus Berlin. Seine Fitness ist dem Wein und den vielen Läufchen zwischen den Flaschen geschuldet. Ein Körper, der mit immens vielen Giftstoffen umgehen kann, wie sie bei so einer Tour entstehen werden, ist genau richtig für mich als Partner.


Wir starten also Freitag zum Feierabend und fahren mit einem vollbepackten Auto, welches für eine einwöchige Reise genug Gepäck geladen hat,  sowie zwei Mitfahrerinnen, die auch in den Süden wollen, an die deutsch-österreichische Grenze ans Karwendelgebirge. Aus den Lautsprechern zaubert uns Hansi Hinterseer die Berglust in die Herzen und ein breites Grinsen ins Gesicht. Die urigen Videos, gekennzeichnet durch Bilder von Bergen und von Hansi’s im Winde wehenden Haaren bringen mich dazu, das Projekt ,,Hansi Hinterseer Trail“ zu nennen. Hansi ist ein Garant für Stimmung. Der Lauf sollte für uns eine besondere Geschichte schreiben und so war kam es dann auch.

Wir kommen kurz nach Mitternacht an und legen uns mit unseren Schlafsäcken auf einen Parkplatz. Die angrenzende Straße ist befahren wie eine Autobahn und jedes dritte Auto scheint mich zu wecken. Ich merke mir für das nächste Mal nicht an der einzigen Straße weit und breit zu schlafen, die zwei Länder verbindet. Der fast volle Mond leuchtet wie eine rote Taschenlampe ins Gesich und unsere Schlafsäcke fügen sich in das Bild der herrum liegenden Müllsäcke ein. Macht nix, um vier Uhr fängt es eh an zu regnen und wir schlafen im Auto weiter. Nicht lange, und die harten Kanten, die Gurtschlösser und die ohnehin schon unterbrochene Nacht bringen uns dazu doch nicht zu schlafen. Beppos Körper war schon um halb 5 mit der Entgiftung fertig, mein Schlafpensum noch nicht einmal zur Hälfte erreicht.

Wir wühlen uns aus den Schlafsäcken, essen liebloses Frühstück mit einem Löffel, der gleichzeitig eine Gabel ist und für geduldige noch zum Schneiden reicht.
Dann fahren wir nur wenige hundert Meter weiter und erreichen den Startpunkt. Eine Traumgegend. Wäre auch zum Übernachten schön gewesen. Ein Isarzufluss hätte hier die „Autobahn“ ersetzt, Bäume für das Zeltdach waren ausreichend da und sogar eine Feuerstelle. Alles mit Blick auf den Fluss und die Berge – und ruhig!


Die Sonne geht auf – und wir sind noch immer beim Packen des Laufrucksacks. Es soll regnen, und auch die Versorgungsfrage muss geklärt werden. Ich entscheide mich für eine halbe Avocado, eine Handvoll Datteln und ein halbes Dutzend Bananen. 



Nur noch schnell die Trinkblase volltanken und dann kann es auch schon losgehen. An zusätzlichem Zeug hab ich noch eine Windjacke, ein trockenes Shirt, Kopfbedeckung, GPS Gerät und Kamera eingepackt. 


Wir folgen der leicht ansteigenden Schotterstraße für ca. 1,5 km. Rechts von uns sehen wir den Seinsbach in einer schönen Schlucht, die uns zum Bleiben einlädt. Zum Glück sagen wir ihr ab und setzten unseren Weg fort.


Wir verlassen den Schotterweg und werden ihn nur noch einmal kurz wieder sehen, dann lange nicht mehr. Ab jetzt beginnt die Strecke sich in 28 km Single-trail zu verwandeln. Sprich, 28km ist es nicht möglich, neben einander zu laufen. Wunderbar.



Beppo nutzt das unebene Gelände auch gleich um sich etwas mehr abzustoßen. Es soll ja noch zu regnen anfangen und das sporadische Höhenmetertraining in den Wochen zuvor soll auch ein paar Früchte zeigen.



Sie lädt zum Sitzen ein. Aber zum Sitzen sind wir ja nicht gekommen. Wir müssen weiter. 



Wir kommen noch einmal kurz auf den Schotterweg, nach unserem Abstecher zur Klippe. Zum Glück wird es nicht mehr so komfortabel weiter gehen. Links vom Weg, und sehr steil, beginnt ein kleiner Pfad, welcher sich in Serpentinen den Weg hoch zum Signalkopf schlängelt. In den ersten 5 Kilometern hab ich 1000 hm eingebaut. Mal schauen, wie das klappt.



Stufen über Stufen, 5 Meter hin, 5 Meter zurück. Von oben sieht die Serpentinen aus wie ein langer weißer Bindfaden, der sich abgewickelt hat. Wir merken recht schnell, dass hier kein Tempo möglich ist. Wir wechseln in schnelles Gehen – immerhin der Puls bleibt bei 150. Es wäre unklug jetzt schon Beinmuskeln übersäuern zu lassen. Bei einer kürzeren Tour gerne. Niemals am Anfang einer langen und unbekannten Strecke.



An manchen Stellen dehnt sich der Faden  und ermöglicht wieder schnelleres Tempo bei gleicher oder niedrigerer Pulzfrequenz.



Die Aussicht verändert sich ständig und wir können immer weiter blicken und den Preis des Aufstieges genießen.



Beppo überprüft noch einmal seine Vitalwerte und schickt gelegentlich Fotos als Live-Track an unserer Gruppe.



Wir denken an einigen Stellen kurz vor dem Gipfel zu sein, doch es folgt immer eine weitere Erhebung. 



Das sieht aus wie der Gipfel und da gehts hoffentlich auch hin. Der Weg wird hier etwas flacher und der Wald dichter. 



Ein richtiger Spielplatz für uns ist das hier!



Auf der Kuppel angekommen sehen wir erst den eigentlichen Gipfel. Dafür genießen wir hier den tollen Ausblick. Das Wetter ist noch immer gut und die Sonne begleitet uns. 


Es geht noch ein wenig höher. Wir haben die 2000er Grenze fast erreicht. Der Signalkopf liegt hinter uns, die Schöttelkarspitze bietet uns diese Aussicht und nun müssen wir uns aber auf in Richtung Feldernkopf machen, mit seinen 2100 Höhenmetern.Eine weitere Station auf dem Wege zur Soiernspitze.




Dort unten ist unser Parkplatz zu sehen. Ich liebe diese Aussicht. 



Dicht am Hang folgen wir dem steinigen Pfad. Hier müssen wir aufpassen nicht abzurutschen. Links von uns geht es zum Teil ordentlich steil bergab mit wenig Griffe zur Sicherung.



Der Weg fordert Trittsicherheit und zwei aufmerksame Augen, was gar nicht so leicht ist bei dieser Aussicht!



Nur noch ein kleiner Klettersteig und wir haben die Spitze erreicht. Das Terrain bis hierher war sehr schwierig zu laufen. Die meiste Zeit war steigen und klettern nötig und temporeiches Laufen bis auf die Anfangsstrecke und einen Teil des Bergkammes war nicht möglich. Immerhin unsere ersten 5km geschafft. Und wir haben Lust auf mehr!



Hier ist mein Schuh noch in Ordnung. Zum Ende des Laufes gucken schon die Socken raus!



Noch ein Foto für die Oma…hier hält es sich eine Weile aus.



Und ein bisschen Werbung für einen Trinkrucksack, den uns die Firma nicht zur Verfügung gestellt hat. Dafür konnte ich ihn mir von einem Freund ausleihen. In meinen passen nur 5 Liter Gepäck Volumen – das hätten die Bananen schon verbraucht.



Hier gönnen wir uns die erste Pause. Bananen und Avocado verschwinden im Magen und die Schalen fliegen den Berg runter. 




Das Terrain ändert sich ab hier. Bäume und Büsche werden immer mehr von Gräsern und Steinen abgelöst. Das Laufen auf dem Kamm ist wirklich einmalig!




Da blüht das Herz eines Trail Runners auf. Was gibt es besseres als so etwas?




Wir treffen auf zwei Wandergestalten und nutzen die Chance für ein gemeinsames Foto.





Wir laufen jetzt wieder runter und verlieren dabei an etwas mehr als 500 Meter Höhe. Der Weg abwärts ist oft steil und wir gehen über in einen vorsichtigern Laufstil. 




Alle paar hundert Meter ändert sich die Landschaft völlig. So wird es nie langweilig. Das Auge sieht sich eh nicht satt.




Dort hinten ist die Soiernspitze mit einem Kreuz markiert, ein weiteres nserer Ziele. Der höchste Berg des nördlichen Kessels.



Tief unten sind die beiden Soiernseen zu sehen. Da muss auch irgendwo das Soiernhaus sein, und wo das Soiernhaus ist, muss es auch Radler geben und etwas warmes zum Essen. Unsere Trinkblase ist auch schon fast leer. Natürlich habe ich keinen direkten Weg zum Haus geplant. Erst mal müssen wir eine Schleife von 8 Kilometern laufen, sonst wäre es ja langweilig. Bis zum Haus könnte das Wasser aufgebraucht sein.



Und so laufen wir los in unseren Irrtum.



Die Sonne steht schon hoch und brettert uns in den Nacken. 



Beppo wird so langsam rot und der Weg zerklüfteter. Wer nimmt auch Sonnencreme mit, wenn Regen angesagt ist? Wetter ist manchmal wie Politik.



Wir biegen scharf links in einen Weg ab, der geplante Weg runter zur Hütte. Eine steile Geröllpiste. Das verspricht Spaß und Schmerzen. Juhu



Wir laufen los und treten ordentlich Steine lose. Wir entscheiden uns etwas versetzt zu laufen und nicht zu weit voneinander entfernt, um uns nicht gegenseitig mit kleinen Steinlawinen platt zu machen.



Mehr als einmal rutsche ich aus, gleite wie ein Surfer auf den Fußsohlen ein paar Meter bergab, meine linke Hand rutschend auf dem Boden – fühlt sich nur nicht so an wie die Wasserwand, die der Surfer streichelt. Ab und zu hau ich mir einfach nur die Zehen an oder lasse mir größere Steine gegen die Sehnen und Nerven springen, so dass ich auch einen „Musikantenknochen“ im Fuß zu haben scheine. 





Wir nähern uns schon der Erbsensuppe und der See lädt herrlich zum Baden ein. Es ist heißt und ein wenig Schatten tut uns gut. 



Kalt ist das Wasser. Viele Kühe in der Nähe. Wir wollen nicht in möglicher Kuhpisse schwimmen. Ich mache lieber Fotos und wir gehen weiter. 



Die Viecher liegen überall auf den Wegen rum. Wir erreichen eine kleine Hütte am See und ich fülle Wasser in meinen Trinkrucksack. Beppo nutzt die Gelegenheit und füllt auch gleich seine Kamera mit Wasser. Er hat vergessen sie aus dem Rucksack zu nehmen und so ging sie unter in dem kalten Wasserbecken, in dem zwei lustige Gesellen 2 Kästen Bier kühlten. Wir fragten sie nach dem Weg und stellen fest, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte die Karte falsch im Kopf. 



Laut meiner Vorstellung war der Soiernberg hinter der Hütte, aber der war vor der Hütte. Im Grunde genommen waren wir schon auf dem Berg, aber noch nicht auf dem Gipfel. Die Spitze hätten wir erreicht, wenn wir nicht die Geröllpiste runtergelaufen wären, sondern noch ein paar hundert Meter weiter gerade aus gelaufen wären. Macht nix. Dann müssen wir halt noch einmal die Geröllpiste hoch. Waren ja nur ein paar hundert Höhenmeter und einige Kilometer. 



Wir gönnen uns eine kalte Cola, warme Kartoffelsuppe und nette Gesellschaft. Ich hab Lust auf ein Mittagsschläfchen in der Sonne. Beppo wird immer roter und das Wetter scheint sich auch zu verändern. Ich darf nicht schlafen und wir machen uns wieder auf den Weg nach oben. 




 Hier bemerken wir, dass Einige baden. Der See scheint doch sauber zu sein – schade. Jetzt haben wir keine Lust mehr. Das Terrain kostete schon zu viel Zeit. 1,5 – 2 Stunden soll der Aufstieg dauern. Das ist doch in der Hälfte zu schaffen. Im Hintergrund ist der Berg zu sehen, welchen wir uns nun wieder hochjagen dürfen. 



Von Stein zu stein hopsend machen wir uns auf den Weg. Für die Strecke runter brauchten wir anstatt 2 Stunden. nur 45 Minuten. Hoch brauchen wir knapp eine Stunde. Auf dem Weg nach oben mussten wir an einigen Stellen auf allen vieren kriechen, zu wenig Halt auf den Steinen. Manche Stellen erinnerten mich an einen schrägen Untergrund aus Kugeln, welche bei kleinster Druckbelastung nach unten wegrollen und mich wieder ein Stück mehr vom Gipfel trennten.



Es wird zunehmend bewölkter und windiger. Es war gut nicht mehr zu schlafen.



Wir haben uns entschieden die Soiernspitze Richtung Süden zu verlassen. Unten an der „Hauptstraße“ gibt es noch einmal eine Bierhütte und dann wartet dort noch der Weg nach Hause. Wir sind schon 7 Stunden unterwegs. Ich hatte eigentlich 8 für die ganze Strecke geplant. Alpine Strecken sind halt kein Grunewald. Es dauert einfach alles viel länger, aber kein Problem. Noch ist es nicht dunkel und genug Kraft ist noch vorhanden.



Der südliche Abstieg ist, ganz anders als die Geröllpiste, fast durchgehend joggbar und so laufen wir mit glücklichem Gesicht bergab. Wenn doch alle Wege heute so gewesen wären…



Nur noch den Wald durchqueren…



und wir sind auf dem Weg nach Hause.



Beppo kühlt den roten Kopf und wir trinken ein wenig.



Wir bestellen noch einmal zwei Gläser Cola und entscheiden, dass wir noch nicht genug haben. Es fehlen noch ein paar Höhenmeter. Immerhin waren 3000 geplant gewesen und wir mussten unterwegs die Route umstellen, so dass wir den eigentlich als nächsten geplanten Berg nicht mehr rechtzeitig erreichen würden.



Wir haben aber noch ein Ass im Ärmel. Ein Blick auf die Karte führt uns zum Wörner. Da können wir noch einmal auf 2000 hm rauf und die Akkus der Beine sind wieder ein wenig geladen, dank der Cola. Es fängt an zu regnen und wir machen uns an den Aufstieg. 



Wir überqueren wieder ein Flussbett und laufen erneut in einen Wald.Dieser ist sumpfiger und hat bereits viel Feuchtigkeit aufgesogen. 




Wir schieben unsere kadavergleichen Körper den Berg hoch. So langsam werden die Beine schwer. Eine große Schafsherde begleitet uns ein Stück weit.



Noch ist der Akku nicht alle und wir überlegen noch etwas dranzuhängen. Entscheiden aber dann damit zu warten, bis wir wieder unten sind. 



Die Spitze des Wörners ist vom Sattel nur über eine Kletterroute zu erreichen. Da es nass wird, haben wir die Spitze von vorne herein ausgelassen. Es juckt mich aber schon – wir müssen wieder kommen. 



Oben auf dem Sattel angekommen sehen wir ein tolles Naturschauspiel. Hinter uns blickend können wir in die Ferne gucken und auf der Seite vor uns haben wir nur eine Sicht bis zu 20 Metern. Von Süden wälzt sich eine Wolke den Wörner hoch. Und mit der Wolke kommt der Regen. Aber durch die Wolke führt der Weg nach unten. 



Wir laufen ca. 1 km am Bergkamm entlang, rechts von uns freie Sicht und links die Wolke. Das war echt super.  




Ab hier beginnt es stark zu regnen und ich muss die Kamera im wasserdichten Beutel lassen. Der Weg runter, nur 6,5km, ist trotzdem sehr langwierig und zäh. Wir kommen nicht auf Tempo und der nasse Untergrund bremst zusätzlich aus oder beschleunigt und für einen Herzschlag beim Ausrutschen.


Bevor wir den Wald kurz vor Mittenwald erreichen, müssen wir noch einige nebelverhangene Wiesen mit Vieh überqueren. Jeder von uns bekommt einen saftigen Stromschlag, Weidezäune sind schon tückisch. Schlitternd und rutschend machen laufen wir den Weg runter. 


Der Weg runter besteht aus einem schmalen Pfad, ungefähr so breit wie zwei Handflächen. Durch den Regen bildet sich in der Spur ein Rinnsal und macht die feuchten Steine noch rutischiger und das Runterlaufen bei Tempo gefährlicher. Mehrmals rutschen wir aus und rudern mit den Armen in der Luft. Der Abstieg zieht sich.



Dieses Foto hat ein Wanderer gemacht, den wir am Fuße des Wörners getroffen hatten. In der Zeit, in der er auf dem Schotterweg nach Hause lief, sind wir den Wörner hoch, haben ihn auf der anderen Seite überquert und 1,5 km vor dem Parkplatz haben wir den Wanderer auf seinem Wege zuim selben Ziel noch einmal getroffen. Er konnte seine Überraschung nicht verbergen und wir unser breites Grinsen auch nicht. Die letzten 1,5km bedürfen keine weitere Erklärung. Einfache Straße, die nur zum Kilometerfressen taugt. Für uns reicht es bis hier – es wartet noch die Fahrt nach München und das Essen im Restaurant!

Die letzten Kilometer fliegen wir dahin, der Untergrund ist nur eine einfache Schotterpiste und das leicht abfallende Gelände lädt uns zu einem Abschiedssprint ein; wir müssen nicht mehr alle paar Schritte abbremsen, um ein Hindernis aller Art zu umgehen. .



Ja, so sieht er aus der olle Beppo. Nach knappen 10,5 Stunden in Bewegung. Eine Stunde haben wir zum Fotos machen, essen und Ausblicke genießen genutzt. Insgesammt haben wir 31,7km und knappe 3000km im alpinen Gelände geschafft. Das war ein wunderbarer Trail und wir müssen auf jeden Fall wieder kommen!

Hansi wäre stolz auf uns!!



Als Dankeschön spendierte das Geburtstagskind noch Medaillen und eine Urkunde für den Lauf. 



Die Zeit, die in die Planung und in die Medaillien und die Urkunde floss,  hat sich in diesem Fall mehr als gelohnt. Es war ein wirklich einmaliges Erlebnis. Das Wetter hat so toll mitgespielt und wir durften einen wunderschönen Teil von Gottes Schöpfung sehen und erleben. Ein besonderen Dank natürlich auch an unsere Frauen, die in der Zeit die Kinder hüteten.


Der Prototyp der Urkunde. Ich muss jetzt noch das Höhenprofil ändern, da wir die Strecke umgebaut haben – und auch die Zeit


Unser GPS Log in 3D mit einigen unserer Videos: 



Danke auch an Laserlogoshop.com für die tollen Medaillien. 

Advertisements

Marathon Muntanyes Artà – 46,26 km – 1600 Hm

Marathon Muntanyes Artà

Der heutige Trail führt mich noch einmal in die Berge von Arta. Folgen will ich der Route des „Marathon Muntanyes Artá“, einem hiesigen Marathon im Norden von Mallorca, der große Beliebtheit  genießt und mir auch als Geheimtip empfohlen wurde, da es mit die schönste Strecke sei. Im Vergleich zu der anderen Option die ich hatte – einem Marathon mit einem einheimischen Laufverein, der morgen statt finden soll, entschied ich mich für den Arta Marathon. Er liegt direkt vor meiner Haustür und ich muss nicht früher aufstehen – und eine schöne Strecke – wunderbar!

Die Strecke laufe ich alleine ab – die Koordinaten habe ich. Der offizielle Marathon findet im Oktober statt. Da bin ich ja leider nicht mehr hier. Macht nix. So stehe ich keinem im Weg rum und muss mich nicht beim Laufen mit meinen paar Wörtern in spanisch unterhalten. Dabei würde es nur um Käse und Wein gehen. Quiero queso…. Oveja…semicurado…vino. 



Der Strecke folge ich am Computer und kann ein paar Dinge anpassen. Zum Beispiel kann ich von hier direkt bis zum Startpunkt joggen. Zudem ist es immer gut, sich vorher mit der Umgebung zu beschäftigen, um mögliche Alternativrouten im Hinterkopf zu haben.


Da ich mich auf  Mallorca befinde, passe ich meine Verpflegung den hiesigen Gewohnheiten an. Ein paar dick geschnittene Scheiben Schafskäse mittelfest, eine „Salzstange“ – ein paar Scheiben Brot, eine große Orange und um mich in den weiten der Kilometer nicht ganz fremd zu fühlen, packe ich ein paar Datteln ein. Die Trinkblase randgefüllt mit 2 Liter frischen Quellwasser. Wunderbar.



Vor Sonnenaufgang laufe ich los. Ich habe mich noch nie vor Sonnenaufgang mit Sonnenschutzcreme eingecremt. Neues Erlebnis. Ob sie überhaupt bis zum Sonnenaufgang hält? Wahrscheinlich ist sie dann schon mit den Strömen von Schweiß in meine Kleidung gelaufen, wo ich sie am Abend wieder mit Kernseife rausschrubben darf. Es dauert nicht lange, da seh ich schon die Natur erwachen – eine gute Entscheidung, früh zu starten.



Den Startpunkt hab ich passiert und laufe so langsam aus Arta raus, vorbei an hektarweise Land mit Feigenbäumen, deren Blätter vor kurzem angefangen haben auszutreiben, vorbei an Mandelbäumen, deren Blüte schon vorbei ist. Während der ersten paar Kilometer merke ich schon, dass ich heute nicht in top Form bin. Die Wanderungen der letzten Tage, kiloweise Käse mit noch mehr kiloweise Weißbrot stecken mir noch im System und lassen meine Muskeln nur widerwillig arbeiten- zu dem das kurz vor dem Start eingeworfene Frühstück drückt mächtig auf die Lunge und lässt einen Puls von nur wenige Herzschläge unterhalb der anaeroben Schwelle zu. Ich überlege kurz, den Lauf heute einfach abzukürzen und in ein paar Tagen nochmal zu probieren. Aber dafür bin ich nicht aufgestanden. Raus aus der Komfortzone.



Nach ca 6 Kilometer erreiche ich ein rostige Tor, durch welches ich laut dem GPS Track laufen soll. Der Weg dort hinter führt durch einen dichten Wald, vorbei an Ginstersträuchern und wird schnell zu einem Singletrail, der den ersten technischen Anspruch des Tages an mich stellt.


Der Singletrail nimmt rasch an Steigung zu, technisch immer anspruchsvoller und mal wieder so zugewachsen, dass man die Füße vor den eigenen Augen kaum sieht. An einigen Stellen ist gehen angesagt, Blindflug ist nichts für mich. 



Während ich am Aufsteigen bin, steigt die Sonne bereits über den Hügeln auf und wirft das Licht auf die Spitze des Berges, welchen ich gerade hoch laufe. Das motiviert und ich schraube mich weiter den felsigen Weg hoch – über große und kleine Steine und naja..noch mehr Steine.



Das warme Sonnenlicht an der Spitze ist eine willkommende Abwechslung zur kalten und feuchten Morgenluft, in der ich bisher unterwegs war. 



Fast wolkenfrei ist der Himmel – er verspricht gute Aussicht den Rest des Laufes – und möglichen Sonnenbrand. Die Sonnencreme war nicht wasserfest, wie es scheint.


Der Weg wird wieder technisch leichter und hier kann man ein wenig Tempo laufen – aufholen, von dem schleichenden Aufstieg. 



Der Weg endet aber nach ein paar hundert Metern wieder abrupt und ich wühle wieder in den Büschen, wie vor ein paar Tagen beim Testlauf, um den richtigen Weg zu finden. Ein klarer Vorteil vom Laufen im Oktober – weniger Grünzeug, Streckenmarkierungen und Vordermänner. Auf einmal finde ich mich an dieser Steilwand wieder. Mein GPS Gerät zeigt wage nach vorne. Ganz überschneiden tut sich meine Postition nicht mit dem Track. Die Richtung stimmt. Die Aussicht auf ein kleines Kletterereignis passt auch Prima zur Stimmung. Ich wähle diesen Weg, obwohl ich mich ein paar Meter weiter links befinden sollte – wahrscheinlich oben an der Steilwand entlang. Aber hier gibts keinen Stechginster.  


Hier könnte man glatt ein Lager aufschlagen und ein Feuerchen machen – und vielleicht eine der Wildziegen grillen.

 

Einen Teil der Kletterpartie. Die Steine rollen hinter mir bergab, festhalten tu ich mich nur an der soliden Seitenwand. Gut, dass keiner hinter mir ist. Oben angekommen geht es steil nach links und ich klettere einen Teil direkt an einer nicht so steilen Steilwand nach oben – und befinde mich dann wieder auf einem mit Sträuchern übersehten Hügel – und sehe den Weg mal wieder nicht.


Tolle Aussicht jedenfalls. zwar keine Aussicht auf den richtigen Weg, aber eine schöne Aussicht. 


Das einzige, was ich finde, ist eine Bergziege. Ich kreuze nun in diesem Gebiet hin und her – folge manchen Pfaden und laufe sie dann wieder zurück. Dann kletter ich einfach offroad bis zum nächsten Aussichtspunkt. Dort sehe ich dann in 30 Metern Entfernung diese Steinmarkierung. 



Dankbar renne ich dort hin – um dann festzustellen, dass der dortige Pfad auch wieder im Nirgendwo endet. Ich Peile mit meinem GPS Gerät die grobe Richtung an und laufe Offroad den Berg runter. 

Dort sehe ich dann diese lustigen kleinen Raupen – die hätte ich auf dem richtigen Weg nicht gesehen 😉



Bei all dem Suchen hab ich vergessen, die GPS Uhr wieder zu starten. Macht aber nix. Während ich am runter rollen bin, sehe ich einen Weg in der ferne. Auf den steuer ich zu – Hauptsache weg von hier.



Dem Weg folgend kreuze ich irgendwann die richtige Strecke und folge ihr. Dort erreiche ich auch nach 10km meine erste „Versorgungsstation“. Meine köstlich süße Orange. Bis hier hin hat es schon 1,5h gedauert. Ich rechne schnell auf die geplante Entfernung auf und komme zu dem Entschluss, dass ich etwas Zeit aufholen will, wenn es wieder bergab geht – falls ich den Weg nicht wieder verliere, sollte es klappen. Aber natürlich verlor ich den Weg bald wieder und rechnete nicht mit dem technisch schwierigen Terrain. Hier ist halt nicht der Grunewald. Witzig, wie ich an einer Stelle durch einen Ginsterbusch rolle. Ich liebe es hier oben.



Weiter gehts, hinein in die wärmenden Sonnenstrahlen. Schatten gibts hier oben eh nicht. Dafür zieh ich mir einen Stachel aus Rücken.


Ein schöner Pfad durch einen Pinienwald. Hier war es wirklich schön und mittlerweile ist die Temperatur über die 20 °C Marke geklettert. Ich fühle mich wohl. Aber nicht lange – dann hau ich mir den rechten Fuß an einen Felsen und merke, dass der Zeh vom letzten Lauf noch doller weh tut, wenn man ihn nochmal gegen einen Felsen rennt. Nach ein paar hundert Metern tut er immer noch bei jedem Auftreten weh, so dass ich befürchte, ihn mir mal wieder gebrochen zu haben. Einfach weglaufen den Schmerz. Was will man machen? Soll die Frau einen im Auto abholen? Womöglich noch im Kindersitz? Keine Chance. Nach ein paar Kilometern ist der Schmerz wieder weg. Wohl doch nur eine Prellung oder Kapselzerrung. Als ob das eine Rolle spielt. Der nächste Stein liegt schon bereit. Das ich den Zeh nach vier Monaten immer noch spüren werde, wusste ich andem Tag nicht.



Vorbei an der Ermita de Betlem biegt der Weg in einen wundervollen Singletrail an, welcher eng am Berg und Abgrund verläuft. Diesem darf ich nun ein paar Kilometer folgen – durch die engen Serpetinen wechselt sich Schatten und Sonnenlicht häufig ab. Es dauert nicht lange, bis es wieder aufwärts geht. 



Dort unten verläuft der Pfad, welchem ich seit einigen Minuten folge.




eine tolle Rumpelpiste, der ich folgen darf. Immer aufwärts, der Sonne entgegen. 


Oben angekommen genieße ich den Ausblick auf Betlem, als auf einmal zwei Spanier hinter mir erscheinen. Wo kamen die denn auf einmal her? Ich frage den hageren der beiden, ob er ein Foto von mir machen könne. Ich nehme an er hieß Toni. Viele hier heißen Toni. Es gibt das Sprichwort: ,, Auf jedem Hof gibt es einen Esel und einen Toni“. Den anderen nenne ich Matheo –  er guckt freundlich. Vielleicht ist er auch nur froh, dass er oben angekommen ist. Der hagere Toni scheint der Führer der beiden zu sein, von ihm erfahre ich auch, dass wir auf Betlem blicken (liegt aber rechts von mir auf dem Bild, welches hier nicht zusehen ist)

Nach kurzem umherschauen trenne mich von den beiden und mache mich an den Abstieg des ersten Berges. Ein paar Minuten später höre ich stimmen hinter mir – Toni und Matheo scheinen den selben Weg wie ich einzuschlagen. Immer wenn die Serpetine einen Blickkontakt unter uns ermöglicht, höre ich auch ihr Gerede, welches die Stille hier durschneidet wie eine Kettensäge. Leider verstehe ich nichts. Nicht einmal, ob es spanisch oder katalan ist. Sie kommen aber näher. Ich sollte weniger Fotos machen.

Wenig später bekomme ich den richtigen Streckenverlauf nicht mit und biege nach links ab und folge dem Weg für ein paar hundert Meter, bis mir auffällt, dass ich falsch gelaufen bin. Auf dem Rückweg höre ich dann das Gerede vor mir. Toni und Matheo scheinen mich überholt zu haben.
Ich überlege kurz und entscheide mich dann gegen die Jagd. Heute bin ich hier zum Sightseeing. Die Jagd muss warten.

Hier muss so langsam ein Anstieg kommen. Ich suche gerade den Weg nach oben, als Toni und Matheo mir entgegen den Abschnitt runter rennen. Meine Hände fragen, ob es dort der Weg nach oben sei. Der gutmütige Matheo schüttelt den Kopf und legt seine beiden ausgestreckten Zeigefinger an die Schläfen und sagt nur „Bulls…Bulls“. Toni fragt mich etwas, ich nehme an – er will wissen, wo ich hin will. Ich erwähne nur Marathon Arta und Toni mustert mich von oben bis unten mit grimmiger Miene. Er sah einen ollen Touristen mit Käse im Laufrucksack, der aber immerhin am grinsen war. Mit kaum merklicher Handbewegung deutet er mir ihm zu folgen. Ich folge.


mit lockerem Tempo scheint es auf einen Umweg zu gehen.



Wir klettern über die Mauer und folgen einer trockenen Piste, die voller Diesteln ist.



Auf etwas mehr als zwei Kilometer überwinden wir hier immer steiler werdend über 230 höhenmeter. Tendenz immer steiler. Matheo winkt mich nach ein paar Minuten an sich vorbei – anscheinend will er auch, dass ich hier meine Waden durchlaufe. An ihm vorbei ziehend hänge ich mich an Toni und verringere den Abstand. Meine Waden drücken mich federnd ab, meine Oberschenkel beginnen zu glühen. Nach 200 Metern fühle ich mich, als ob ich den Berg unter mir wegdrücke. Toni bleibt hundert Meter vor der Spitze stehen, dreht  sich zu mir um und sagt nur „hard“. Ich bestätige ihm, und wir kriechen den letzten Abschnitt auf unseren Oberschenkeln gestützt den Weg nach oben. Oder auf allen vieren. Laufen ist hier nicht mehr möglich. Ich bleibe stehen und warte auf Matheo – hier hat man Zeit für ein Schwätzchen und er spricht englisch.


Wir unterhalten uns über Menorca und Mallorca und er findet meine Barfußschuhe interessant und wundert sich, dass man darin solche Strecken laufen kann. Ich mich auch. Für mehr reicht die Luft nicht mehr.


Der reinste Oberschenkelknacker. Der Abstieg wird noch schöner. Den Abstieg beschreiben meine Beine nur mit:“ Hammer und Amboss“.



Matheo erzählt mir, dass sie ein kleines zwei Stunden Läufchen geplant haben und ich werde wehmütig. Die ersten Trailrunner, denen ich begegne. Schade, ich dachte sie haben sich die selbe Strecke wie ich ausgesucht. 




Toni zeigt mir die von hier oben den weiteren Verlauf der Marathonstrecke. Dort runter, den Berg rauf, hinter dem Berg erst nach links und dann rechts runter zur Küste. Dort erreiche ich dann den tiefsten Punkt und steige wieder auf in die trockene „Wüste“ der Berge. Von ihm erfahre ich auch, dass der zweite Teil der Strecke auf Privatgelände verläuft und gesperrt ist. Nur für den Marathon offen. Ich hab ja keine Wahl – ich probiere es einfach mal aus. 



Tolle Aussicht hier! Ich sollte aufs Wandern umsteigen. Keine Zeit mehr zum genießen – ich muss weiter. Genossen wird der Abstieg auf dem Knöchelbiegerweg nach unten. 



Toni verteilt ein Energie-Gel. Wie gerne würde ich auch eins haben. Aber mein Käse, der bestimmt schon ranzig geworden ist, muss noch bis zum Meer auf mich warten. Dort habe ich Versorgungsstation 2 geplant. 


Nach knappen zwei Kilometern komme ich wieder an der Treppenleiter an und mir fällt das Tor auf, welches nur 3 Meter links davon steht. Ich denke, ich gehe einfach durchs Tor. Warum über die Mauer klettern? Männer halt. Ich bin aber zu faul den Draht der Tür aufzuzwirbeln. Also kletter ich doch rüber. 



Der folgende Weg wird auf meiner Uhr als richtig angezeigt – ich merke nur, dass ich hier noch nicht war. Und dann seh ich auch schon das erste Viech. Jetzt erinnere ich an Matheo mit seinem „Bulls“. Ein paar Meter weiter steh ich dann wirklich vor einem Bullen. Der hat auch richtige Hörner, nicht so wie diese Kuh hier.  So ganz nah traue ich mich nicht vorbei und mache einen kleinen Umweg durchs Gestrüpp. Das kann ich mittlerweile ganz gut.



Dort geht es lang, Richtung Praline. Nach zehn Minuten kommen mir auf einmal Toni und Matheo entgegen. Ich frage mit meinen Händen und meinem skeptischen Gesichtsausdruck „wie ist das möglich??“ – Toni winkt aber mit der flachen Hand in die entgegen gesetzte Richtung und ruft nur im Vorbeilaufen, ich übersetze eine Möglichkeit: „Zum Marathon gehts dort lang!“. ich blicke den beiden hinterher und sehe nur, wie sie ihre Köpfe schütteln. Zum ersten mal konnte ich bildlich sehen, was die beiden wohl denken. Trottel. Anfänger. Tourist. Ich Überprüfe die Daten mit meinem GPS Gerät und der zeigt mir an, ich bin in der richtigen Richtung unterwegs. Richtung Meer. Richtung mittelharten Ziegenkäse.



Ein toller Weg, der mich Richtung Meer bringt. Die Steine werden mit der Zeit immer dichter und grober. Die Kurven immer enger. Trittfrequenz erreicht hier im Durchschnitt 245 Schritte pro Minute. Tempo kann ich hier nicht aufbauen, wie ich mir vorgestellt habe. Zu uneben ist der Untergrund, zuviele Richtungswechsel und zu hohe Konzentration. In einer engen Kurve treffe ich erneut auf zwei Spanier, die gerade am Aufsteigen sind. Ihre Basecaps in den Nacken gedreht, die Köpfe die selbe Farbe wie der rote Sandboden. Ich freue mich auf neue Gesichter und bin gerade dabei „Hollaaaa“ zu rufen, als ich zu schnell in die Kurve komme. Der Spanier kann mich noch rechtzeitig am Arm stützen und ruft seine Antwort hinterher. Schon sind sie wieder weg. Als ob sie nie da waren, 

hinter der Kurve. Hinter dem Gestrüpp und den Felsen. Kein Sichtkontakt, keine Stimmen.


Fliegend geht dieser Abschnitt vorbei. Fliegend über die Steine – ich fliege auf meine Käsebucht zu. Dort im Hintergrund zeichnet sie sich schon ab. Juhu. 



Wunderschön, dieser Strand. Kraftraubend dieser Sandboden. Ein Pärchen sitzt hinten am Meer und beobachtes die Wellen. Ein Guter Ort, um seinen Käse auszupacken. Ich setzte mich in den Schatten einer Steilwand und beginne meine Salzstange aufzuessen – leckere Salami. Kein Veganerlauf heute. 



Lieblos klatsche ich mir ein paar Käsescheiben auf meine erste Scheibe Brot und nehme den leckeren Geschmack zusätzlich zur schönen Landschaft in mich auf. Ich merke, wie ausgetrocknet ich bin. Die zweite Brotscheibe klatsche ich an die Wand hinter mir – zu trocken, dieses ausgedörrte Etwas. Der Käse schwitz genau so wie ich und macht die Versorgungsstation etwas „frischer“ – oder feuchter.
Ein paar Schlucke aus dem Trinkrucksack spülen die letzten trockenen Brotkrümel aus meiner Kehle und ich kann mich weiter an den Weg machen. Bisher knapp über 25 Km geschafft, 3 Std in Bewegung. Knappe 4 Std. insgesamt – Weg suchen, rumirren, Fotos machen, Weg suchen und Weg suchen.


Ich befinde mich an der Küste auf einem trockenen Weg. Hier ist es heiß. Die Meeresluft ist zwar herrlich salzig, aber so wirklich frisch nun auch nicht. Dafür darf ich einem tollen Weg folgen, an der Küste entlang. Nur noch ein paar Kilometer bis zur letzten Bucht, dann gehts wieder rauf in die Berge. 


So schön wie hier war der Weg leider nicht immer. Scharfkantiges Felsgestein machten ein joggen kaum möglich. Hier verlor ich viel Zeit, da ich einen großen Teil des Küstenabschnitts wandern musste. Zudem ist mir mein letztes Wasser ausgegangen. 



Keine Tempostrecke. Meine Blutgefäße sind ungefähr so ausgetrocknet wie der Weg. 



Und weiter gehts zur nächsten Bucht, diesmal durch hellen Kalkstein, welcher die Hitze so schön zurück strahlt. Wie ein Brathähnchen fühle ich mir hier. Das fehlende Wasser wird ein Problem. Hier kommt man nicht so weiteres an Wasser ran. In meinem Kopf baue ich die Strecke um. Vor ein paar Tagen war ich etwas südlicher in der Bucht „Torta“ – klingt lecker. Zwar gibts es da keinen Laden, aber im Notfall bin ich näher an der Zivilisation. Um dort hin zu kommen muss ich einfach nur die Luftlinie ablaufen. Ich kletter der Luftlinie entlang über die Kalkfelsen bis ich die Bucht Torta sehe. Ein paar Tage später entdecke ich dann die richtigen Pfade – sie lagen nur etwas höher versetzt, welche man aber nur sieht, wenn man direkt darauf steht – oder eben höher ist. Macht nichts…so ein selbst geplanter Weg ist eben was anderes. Es ist richtig heiß geworden und mir klebt die Zunge am Gaumen. Ich nenne die Bucht innerlich Bucht Infierno. Dort führt ein Wanderweg über die östlichen Berge von Arta zurück in meine Richtung.


Dafür macht die Bucht was her. (nicht Torta – diese kommt erst später. Habe von ihr kein Foto gemacht, weil sie doch nicht so schön war, wie beim letzten Mal) 


 Ich bin nun schon fast 4 Stunden unterwegs, seit über einer Stunde ohne Wasser. Der Mangel zeichnet sich deutlich ab. Ich entscheide kurzerhand auf der Straße parallel zum Wanderweg zu laufen – sicherheitshalber. Die Autos, die an mir vorbei fahren, wirbeln den Staub auf. Der Staub und meine Lunge haben in etwa den gleichen Feuchtigkeitsgehalt. Die Muskeln werden müde. 32 Km sind schon geschafft. Zuhause ist das alles ohne Wasser möglich. Unter diesen Bedindungen hier – keine Experimente. 



Ich liebe Hitze. Für einen guten Hitzelauf bin ich immer gut zu haben, Nur jetzt nicht. Später vielleicht noch einmal. 



Dann die Rettung. Ein Paar Kilometer landeinwärts ein Schild. Ich folge diesem Schild zu einem Restaurant, welches blöderweise wieder bergauf liegt. Ich mache ein paar Gehpausen. Der Ruhepuls liegt knapp unterhalb der anaeroben Schwelle. 




Ich betrete eine Kulisse, welche hier nicht ganz hingehören scheint. Der Olymp von Mallorca. Ältere Menschen sitzen im Schatten an weißen Stühlen und trinken etwas kühles. Ein gemütlicher Opa pafft seine Zigarre. Im Hintergrund ertönt Flötenmusik und ein kleiner Brunnen plätschert mit frischem kalten Wasser. Ich bin in einer Oase. Ein Glückstreffer.




Ein Kellner kommt zur mir und fragt, was ich bestellen möchte. Ich antwortete ihm nur „etwas zu trinken – alles“. Er grinst. Ich bestelle eine große Cola mit Eiswürfeln. 



Ah, wunderbar! 


Die Lebenskraft kommt zurück. Die ersten Schlucke Cola erreichen nicht meinen Magen, sie scheinen hinter dem Gaumen nach oben in die Augen zu fließen. Eine Träne kommt zum Glück nicht, dafür fühlen sich meine Augen wieder wie Augen an und nicht wie Schneckenhäuser. 

Die Leute neben mir, Deutsche, unterhalten sich über ihre Chorgruppe – einen Tenor, den sie irgendwo kennen gelernt haben. Wie langweilig. Hier halte ich es nicht lange aus. Ich trinke die Cola schnell aus, geh zum Kellner und bestell mir eine zweite. Diese trinke ich dann an einem anderen Tisch aus.


Ich bermerke, dass meine drei Jahre alten Schuhe noch immer gut in Schuss sind. Damit lassen sich noch ein paar hundert Kilometer laufen. Versteh gar nicht, was immer alle mit meinen Schuhen haben. Sie sind so besser belüftet. Gut, ich merke jetzt auch, wieviel Sand ich durch die Löcher vor meine Zehen geschaufelt habe – aber zuhause kann ich den Sand in Aarons Sandecke schütten – damit kann er morgen rumbaggern. Sand von der Bucht Infierno. 


Der Kellner schüttet mir noch eine Flasche Wasser in meinen Tank und fragt, ob ich noch Eiswürfel reinhaben möchte – ich verneinen. Später frage ich mich warum? Der Wassertank friert ja auch bei -10 Grad ein. Schaden können diese paar Würfel also nicht. 

Er fragt wo ich hin möchte – ich erwähne Arta. Ahh Arta. ja..nur fast 8 Kilometer. Also bist du in einer halben Stunde wieder in Arta. Er lacht und ich bemerke, er hat eine ganz schöne Fahne.
Ich lache mit, aus Bestürzung. Eine halbe Stunde wäre schön. Aber in Arta bin ich ja nicht zuhause.

Auf der richtigen Straße kann ich ein bisschen schneller als bisher laufen. Pace unter 5, 5:10. Die Pause mit dem Auffüllen von 1 Liter hat gut getan. Die Energie kommt zurück. Ich überlege weiter zu laufen. Komme aber dann zum Entschluss, dass der Marathon für heute reicht – zumal noch ein paar Km dazugefügt wurden.



Arta, ich bin da.


Auf gehts Junge. Rein in die Stadt.



Mohn und Feigenbäume, das erste Mal, dass ich diese Kombination sehe. Schön.



Jetzt noch Slalom durch die Einkaufsstraße und dann raus aus Arta. Noch knappe 2 km to go. Ich bleibe an einem Eisladen stehen. 1.60€ pro Kugel. Empört laufe ich weiter. Dafür geht es mir noch zu gut. 



Zuhause angekommen. 
Ich nehme mir vor, diesen Lauf nie wieder zu machen.
Ich überlege in den kalten Pool zu springen – oder den Warmwasserspeicher leer zu duschen. Ich entscheide mich für einen frisch gepressten Orangensaft.
Ein paar Stunden später kann ich es kaum wieder erwarten, diesen Lauf zu machen.

Laut GPS 46,26 km in 6:35:05 Minuten. 5:26 Minuten in Bewegung. Die eine Stunde extra dürfte von den Wanderabschnitten und Kletterabschnitten kommen – sowohl von den ganzen Wegsucherein. Dort stellt meine Uhr automatisch auf Stillstand ein, wenn ich mich nicht schnell genug bewege. Höhenmeter spuckt mein eines gerät 1200 aus (Gerät war auch nicht immer aktiv), das andere über 1600. Ich einige mich auf den Mittelwert von knappen 1450. 

Geplant waren ursprünglich etwas über 44 Kilometer. Durch das öftere unbemerkte verlaufen und zurück laufen + Streckenneuplanung ist der Endwert anders. 

Fazit: Der Lauf war ein einmaliges Erlebnis. Ich bin doch froh, dass es gut zu Ende gegangen ist und ich nicht abbrechen musste (Dank dem Restaurant) . Besonders der Abschnitt ohne Wasser war eine große Herausforderung. Größtenteils technisch sehr anspruchsvoll. Tempo war nur auf einem Bruchteil der Strecke für mich möglich. Gut, dass es kein offizieller Lauf war, da wäre ich nicht im Sightseeing-Modus und würde sicher mein Gehirn ausstellen, um etwas schneller zu sein. Das geht bei diesen Wegen mit einem stark erhöhtem Risiko für Verletzungen einher. Dafür wäre dann die effektive Zeit in Bewegung in einem besseren Verhältnis, da die Zeit zum Wege suchen und zum Fotografieren wegfällt. Postiv war auch die Ruhe. Nur an wenigen Punkten traf ich auf Menschen. Negativ empfand ich die Navigation auf den schmalen Bergpfaden. Dort gab es zwischenzeitlich gar keine Verbindung der einzelnen Elemente, so dass ich Blinde Kuh gespielt habe – hier dürfte ein offizielles Laufevent aber die Mängel ausgleichen, durch Markierungen und Vordermänner – sowie dem platt gelaufenem Gras. Auch das Versorgungsproblem mit Wasser dürfte dann kein Problem sein. Leider konnte ich den zweiten Teil der original Strecke nicht laufen. Dafür dann etwas weiter östlich versetzt.

Ein paar Impressionen von der Laufstrecke gibts in diesem Video:

 

Betlem to Arta trainrun

Trailrun von Betlem nach Arta

(die-hard barefoot trail)
 
Der heutige Trail sollte von Betlem nach Artà führen, über die nordwestliche Bergkette von Arta.
Die geplante Strecke ist 21km lang und man überwindet knapp 860 Höhenmeter.
Um 6 uhr sollte es losgehen, um den Sonnenaufgang in den Bergen zu genießen. Leider ging es dann erst um 7 Uhr los, da mein Fahrer verschlafen hat. Im Hintergrund sieht man noch die aufgehende Sonne – durch den Höhennebel aber kaum noch zu erkennen. Der Nieselregen ist mittlerweile in starken Regen übergegangen. Die Kamera lasse ich lieber im Rucksack, spontan eingepackt in der Plastikverpackung der Rettungsdecke.
 
An einem verriegeltem Tor ging es eine kleine Treppe hoch und man erreichte den Eingang zur Bergkette. Der alte Weg führt hoch zu einem alten Kloster. Nach den ersten paar hundert Metern bin ich bereits durchnässt. Der Anstieg beginnt.
Unter einem Baum wage ich es die Kamera auszupacken. Ein Teil des Nebels hat sich verzogen und lässt mich Richtung Meer einen Teil des Anstieges sehen. Der Anstieg ist ein enger Singletrail, welcher eher einer felsigen Treppe gleicht, als einem schönen Ziegenpfad. In Serpetinenverlauf schraube ich mich immer höher – dabei musste ich die glitschigen Steine gut im Auge behalten – technisch anspruchsvoll.

 

Ein Luxuspfad für meine Schuhe. Der Weg bessert sich so langsam. Glatte und nasse Steinen gehen über in einen groben Pfad. Der Regen lässt so langsam nach.

 

Nachdem ich eine alte Ruine für Götzendienst passiert habe, erreiche ich eine moderne Straße, welche ich für wenige Kilometer in Serpetinen folgen darf. Richtung himmelwärts. Dort komme ich auch an einem Kloster vorbei. Die Allee aus knorrigen Zypressen duftet schön nach Harz. Folgen tue ich ihr nicht – der Weg führt daran vorbei.
 
 
Ein richtiger Untergrund für Jogger. Für Trailrunner ist dieser Abschnitt so entspannend, dass man sich die Umgebung beim Laufen anschauen kann, ohne Angst haben zu müssen, an einem Stein oder einer Wurzel hängen zu bleiben.
 
Dank des Nebels kann man nur zur nächsten Bergkette blicken. Das Meer ist nicht zu sehen. Die Feuchtigkeit, die der Wind aus dieser Richtung mit sich trägt, lässt das Meer nur vermuten. Es ist windig und die kalte Luft lässt das durchnässte T-shirt unangenehm am Körper kleben. Pausen kosten hier nur Heizungsenergie.
 
Nach ca. 1,5 km biege ich nach rechts in einen kleinen Singletrail ein. Dieser ist so verwachsen, dass ich mehrmals die Stelle ablaufen musste, um den Eingang zu finden. Es übernehmen ab hier nun die gelb blühenden Stechginstersträucher, kreuzdorn und anderes derbes Gestrüpp mit zahlreichen Dornen die Aufgabe, den Weg unkenntlich zu halten. Auch hüfthohes Gras, welches aus zähen Blättern besteht, prägt die Landschaft.
 
Wunderbarer Trail!
 
Es ist schwierig dem Pfad zu folgen. An dieser Stelle musste ich fast 20 Minuten suchen, um den weiteren Abschnitt zu finden. Mit ein wenig klettern und rutschen hab ich diesen dann entdecken können. Kostete nur ein paar Kratzer – dafür hatte ich Spaß.
 
Dort geht es erst einmal runter. Rutschend, auf allen vieren und gewohnt durch die viele Dornenbüsche und Dickichte. Gut das ich GPS Geräte dabei habe. und Glonass.
 
Der Weg hatte sich hinter einem Busch versteckt. Die Wege sind mittlerweile 30-40cm breit und so zugewachsen, dass ich die Steine unter dem Grünzeug kaum sehe. Die Bergziegen, die ich sah, scheinen da harte Gestrüpp nicht zu fressen. Schade.
 
Mittlerweile ist die 500 Höhenmetergrenze überschritten. Den Weg habe ich mehrmals aus den Augen verloren. Auch durfte ich mir den Boden bisher ein paar mal genauer anschauen, als meine Füße an „unsichtbaren“ Steinen hängen blieben. Zum Glück habe ich mich gegen die Sandalen entschieden. Ungewohntes Terrain – keine Experimente
 
Könnt ihr den Pfad sehen? Dieser versteckt sich hinter Gräsern, Büschen oder Felsformationen.
Der Weg verläuft hier rechts am Bild – Richtung geradeaus…oder nach rechts….oder links. Hier oben kann man das nicht  genau sagen. Wer nicht in Bewegung bleibt, verliert die Richtung und den Weg schnell aus den Augen. Mehrmals musste ich ein paar Meter zurück laufen, um die richtige Abzweigung einzuschlagen. Da ich mittlerweile die richtigen „Wege“ von den Tierpfaden unterscheiden kann, fällt es mit mit jedem Kilometer leichter, auf Spur zu bleiben. Die Fähigkeit des Naturbeherrschers kommt zurück 😉 . Oft liegt der Unterschied in kleinen Steinen und Haufen von Ziegenscheiße.
Die Wolkendecke ist aufgebrochen und ich sehe zum ersten Mal das Meer. Dort war ich vor zwei Tagen noch wandern und blickte immer wieder wehmütig die Berge hoch. Heute blicke ich wehmütig nach unten und wünsche mir einen leckeren frisch gepressten Orangensaft
Aktueller Streckenverlauf. 413% Quälfaktor und noch weitere 100% sollen dazu kommen.
 
 
Endlich wieder ein normaler Weg, der ein bisschen Tempo erlaubt. Leider nicht lange! Es wäre auch ein schöner Weg entgegen der Sonne gewesen. Der Nebel ist aber so dicht, dass selbst die helle Sonne verborgen bleibt.
 
einfach ein cooler Typ auf dem Berg
 
Ab jetzt ist Weg suchen, klettern und natürlich viel Konzentration nötig. Einen Weg gibt es nicht mehr. Gelegentlich taucht eine Steinformation aus dem Nebel auf – gestapelte Steine deuten die Richtung zum Gipfel. Ein falscher Tritt kann das Ende des Laufes bedeuten. Hier möchte ich nicht mit kaputtem Sprunggelenk liegen bleiben.
Wunderbar diese Knöchelbrecher. Gut, dass ich mit Barfußschuhen unterwegs bin, die Knöchel sind so flexibler und ich fliege förmig über die Steine. Gelegentlich hauts mich auch hin, z.b. wenn unter einem Grasbüschel ein großer Stein versteckt ist oder ich für eine Sekunde meine Konzentration verliere. Für Tagträumerei, zu der ich neige, ist hier oben leider kein Platz.
 
Oben angekommen. Die Wolkenfronten verschieben sich alle paar Sekunden und lassen mich ab und zu in die Ferne blicken.
 

 




 
In so einer trostlosen Umgebung macht das fotografieren Spaß. Rechtes fällt die Steiklippe tief ab.


 

 

Einer der wenigen Momente mit Weitsicht.


Die Wolken geben den Blick auf etwas unendlich schönes wieder. Irre
 

 

Der Nebel lässt die Umgebung in unregelmäßigen Abständen verschwinden. 


Der Weg geht wieder abwärts Richtung Wald



Der Weg wird wieder technisch einfacher. Jetzt lässt man den Körper einfach von alleine laufen und das Auge hat genug Zeit für die Natur um mich herum.
 
 
Der nächste Abschnitt führt durch einen Pinienwald. Der Baumbewuchs hier oben ist nur sporadisch und die wenigen Bäume wirken fehl am Platz. Je weiter runter ich komme, desto dichter wird der Wald und des so öfters höre ich die Glocken der Schafe und Ziegen.
 


Noch ein Abschnitt durch eine Ziegenfarm auf fast normalen Wegen kann beginnen. Ich musste nur ein paar Minuten den Weg aus dem Stacheldrahtumzäunten Gehege finden.

Ein bisschen Restweg ist noch zu laufen. Den kann ich jetzt genießen. Es fängt auch wieder an zu regnen und ich lasse die Kamera eingepackt. Jetzt laufe ich nur noch an Finkas, Feldern und Plantagen auf die Stadt Arta zu – Am Horizont stellt sich schon das Kloster Sant Salvador dar, welches Arta überblickend auf einem Hügel gebaut wurde. Natürlich lasse ich mir den Aufstieg mit seinen mehreren hundert Stufen nicht entgehen. Dafür nehme ich einen kleinen Umweg durch die Gassen von Arta in Kauf.
Der Lauf von Betlem nach Arta war ein wunderbares Ereignis. Viel Zeit verlor ich durch das Suchen der Wege in dem zugewucherten Nationalpark. Die Zeit zum Fotografieren musste ich mir einfach nehmen. Zu dieser Jahreszeit blüht hier vieles und die Insel ist im allgemeinen auch viel grüner. Zum Glück hatte ich neben meiner GPS Uhr noch ein richtiges GPS Gerät dabei – ohne dieses Gerät wäre ich wohl schon nach den ersten 7 Km umgekehrt.
Nach knapp 2:40h kam ich dann zu Hause an.
ich freue mich auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt: Muntanyes d´Artá
 
 
Anbei ein Gipfelvideo von mir: 

Brocken Trail – 33km 1400 Hm

Ende des Jahres. Da muss noch einmal ein schöner Trail-Lauf her. Geplant war dieser schon ein wenig früher, aber ihr wisst ja – eh drei Männer einen Termin gefunden haben, ist das Jahr schon rum. Umso besser – je später im Jahr, desto kälter und desto kälter, desto ekliger- und besser. Der Traillauf war ein Geschenk für das Rennschwein Daniel (Mitte). Er weiß nicht wo es hingeht und hat auch jetzt noch keine Ahnung. Ich liebe Überraschungen.
Der Rucksack ist gepackt mit Leckerein. Jede Menge getrockente Datteln, Bananen und Gemüsezeugs. Die Fronttaschen lasse ich mir offen für meine Kamera und mein GPS Gerät.
Zum Warmlaufen habe ich mir eine kleine Steigung ausgesucht. In etwas mehr als 2 Kilometern haben wir dann schon die ersten zweihundert Höhenmeter. Wie süß.
Ich merke schon jetzt, dass es keine gute Idee war, diesen Lauf zu machen. Die Monate davor waren bei mir gekennzeichnet von einer langen Laufpause – bis dato war ich nur auf 20 Kilometern gut trainiert, und Höhenmeter? Wer trainiert schon Höhenmeter nahe Berlin? Dies sollte mein erster 30er seit geraumer Zeit werden und ich sollte mich schuldig fühlen, so eine Strecke geplant zu haben. Benjamin geht locker die Strecke mit.
Nach den ersten Höhenmetern die erste schöne Aussicht. Für uns Flachlandwaden ungewohnt. Ich freue mich schon auf den steilen Weg nach unten, der uns wieder auf das Anfangsniveau bringen wird. Dann beginnt der eigentliche Aufstieg. Es ist schön warm hier. 10-15 Grad und die Sonne kommt oft durch.
Matschige Wege bergab sind einfach wunderbar. Trotz der Geschwindigkeit halte ich gerne an für ein paar Fotos.
Ah, der Fluss scheint einen Teil des Weges parallel zu laufen. Da gibt es nur eins – runter von der Straße, Weg suchen.
Wir überqueren den Fluss mittels der großen rutschigen Steine. Eine Gelegenheit die zum Lachen einladen kann, wenn mal wieder ungeschickt ausrutscht und der Länge nach im Wasser gelandet wird. Zu meinem Glück kam ich außer nassen Waden trocken drüben an. Zu meinem Pech meine zwei Begleiter auch.
Ein paar Kilometern am Fluß später müssen wir wieder auf den Weg ausweichen und folgen diesem Richtung Brocken, bis wir die Straße kreuzen, an der es bergauf geht und uns den Weg in den wolkenverhangenen Berg zeigt.
Nun weiß auch das Geburtstagskind wohin es geht und freut sich. Es geht jetzt nur noch aufwärts.
Von hier oben sieht es dort unten viel spannender aus. Also ändern wir spontan die Route und gucken uns das mal genauer an. Wir haben kein Zeitdruck.
Wir überqueren den Fluß und laufen dann parallel zum Fluß , dort gibt es einen tollen Pfad. Wieder fällt keiner ins Wasser – zu schade aber auch.
Rechts des Weges verläuft der kaskadenförmige Ilsenwasserfall. Er fällt hier mittelmäßig steil ab und seine vielen Kaskaden machen den Lauf hier sehr abwechslungsreich. Es wird langsam kühl und Lust auf Baden habe ich nicht mehr.
Hier schien mal Wald gewesen zu sein, zu schade. Dafür genießen wir den Ausblick in die Ferne. Erst knappe 600 Höhenmeter geschafft und entspannte 7Km. Mir geht es gut. Der nächste Abschnitt wird steiler – ich bin gespannt.
So langsam wird es kalt, der erste Frost zeigt sich und die Atemluft kondensiert.
Fotos müssen sein. Irgend etwas muss man sich ja an die Wand hängen.
Winter kommt. Die Landschaft verschwindet unter einer feinen Schicht aus Schnee, welcher noch nicht abgetaut ist. Die Temperaturgrenze von + zu – ist jetzt Überschritten und uns begegnet der erste Schnee in diesem Jahr. Damit haben wir nicht so früh gerechnet.
Wir folgen einem kleinen Pfad, welcher mehr ein Bach zu sein scheint und uns links und rechts davon nicht durch lässt. Naja, kein Problem. Eisbrecher vorraus. Bei fast jedem Schitt brechen wir durch das dünne Eis oder verschwinden bis zur Mitte der Schienbeine im Schlamm. Juhu.

 

Ich wünschte mir, dass der Rest des Laufes genau so sein würde und sich nie mehr verändert.
Sowas liebe ich. Den Weg fanden wir übrigens nur aus Zufall. Den Weg, den die Karte angezeigt hatte, gab es nicht und so mussten wir einen anderen Weg suchen, der in die ungefähre Richtung ging. Gab uns zwar 2 Km mehr auf die Gesamtstrecke, aber das macht ja nix aus.
Am Ende des zugefrorenen Flüsschens gehts zu den Weihnachtsbäumen.
Die Zeit wird kurz genutzt, um einen kleinen Schneemann zu bauen.
Aufwärts zum Brocken. Die Straße ist erreicht und ihr folgen wir nun und haben noch die letzten paar hundert Höhenmeter vor uns. Die ersten 13 Km sind geschafft und ich falle in ein Leistungsloch. Mein Leistungszustand meldet sich und ich muss ein paar Gehstrecken einlegen, um Datteln und Bananen zu futtern.
Hier ist es so schön kalt, dass ich kaum Fotos machen möchte. Hier scheint es noch jede Menge Wanderer zu geben – im Wald gefiel es mir besser. Und alle haben so schön dicke, warme Mäntel an. Ich tröste mich mit dem Gedanken gleich oben zu sein und dem Brockenwirt zu begegnen.
Gar nicht so leicht diesen hier oben zu finden – kaum Sichtweite und alles ist mit einer dicken Eisschicht überzogen.
Wir sind oben. Den Brockenwirt haben wir auch gefunden. Furchtbares Lokal – überteuert und keine gute Qualität. Die vielen 1-Sterne Bewertungen im Internet decken meine Eindrücke. Aber in der kurzen Zeit im inneren hab ich mich wieder schön regeneriert – Höhenmeter sind doch was feines, wenn man sie mag.
Besonders schön war es, wieder aus dem Wirtshaus zu kommen. Zum einen weg von dem Essen und zum anderen hatten wir ja draußen einen schönen Eiswind mit über 70Km/h und die gefühlte Temperatur lag bei -13 Grad. Das erste Mal in meinem Leben kann ich mir vorstellen, wie es wäre zu erfrieren. Der Eiswind scheint durch meine dünne Schicht an Textilien einfach durchzuwehen. 5 Minuten hier stehen und käme nicht mehr hoch. Nichtmal dieses Foto wollten wir machen, sondern nur schnell runter – aber nicht mit mir.
Wir laufen den Brocken auf der anderen Seite wieder runter – entlang eines Betonplattenweges, welcher mit Eis und Schnee überzogen war. In Abständen von 30-50cm waren Fausgroße Löcher in den Platten – bloß nicht hängen bleiben.
Ja auch das Geburtstagskind darf mal das GPS halten. Kann es aber aufgrund der Eishände nicht bedienen. macht nix, Bergab findet man ja immer leicht – im Hintergrund sehen wir die Eckertalsperre mit seinem Stausee.
Mit der Wärme kommt das Lächeln wieder!
Bad Harzburg nehme ich an. Jetzt ist es wieder schön warm – und die Sonne scheint. Wunderbares Gefühl
Bergab laufen ist nicht zum Problem geworden, wie ich anfangs befürchtete. Zu sehr belastet es die Oberschenkel – aber geht wohl doch. Die Muskulatur fürs Bergauflaufen hat sich allerdings verabschiedet. Zum Glück gibt es nur noch kleine Anstiege. Die sind aber jetzt eklig.
Wir sind da, in Ilsenburg. Lieber Brocken, du wirst mir fehlen. Wir kommen auf jeden Fall noch einmal wieder.
Ein wunderbarer Lauf. Entspannte Zeit von 4h 16min 04s und zwischen 1200-1400 Höhenmetern.
Sehr gerne wieder – -nun ab ins Auto und zur nächsten Dönerbude!
spezielle Ausrüstung:
  • Garmin Oregon 450t GPS Gerät
  • Kamera RICOH GR IV
  • MERRELL Trail Glove
  • Salomon S-LAB 5 Trinkrucksack